| Spuren suchen. Spuren
hinterlassen. Ein Kulturfest für Europa Akademie Schloss Rotenfels • 2005 • Dokumentation der Workshops |
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"Spuren suchen.
Spuren hinterlassen." war ein interkulturelles Fest der Sinne. Als
Auftaktveranstaltung des von der Kultusministerin Frau Schavan initiierten
internationalen Kongresses "Bildung für Europa" ermöglichte
das Kulturfest für Europa an der Akademie Schloss Rotenfels eine
interkulturelle Bildung durch künstlerische Aktivitäten. Im
Sinne der Weltkunst arbeiteten Schülerinnen und Schüler der
Europäischen Schule Karlsruhe mit den umliegenden Schulen an kulturüberschreitenden
Kunstprojekten, die den historischen, gesellschaftlichen und kulturellen
Wandel Europas im Blickpunkt hatten. In mehrtägigen Künstler-Workshops mit Schülerinnen und Schülern aus über dreißig Nationen wurden auf den Spuren Europas unterschiedlichste Themen zur ästhetisch-musischen Bildung angeboten. Inhaltlich waren die Workshops auf eine interkulturelle Kommunikation angelegt – ein Austausch über die Grenzen der Kulturen hinweg wurde ermöglicht. Facetten und Fundstücke europäischer Kulturen sollten in Kunstprojekten zusammengefügt werden. Die Workshops fanden im Vorfeld oder direkt vor der Vorabendveranstaltung zum Kongress statt, so dass die Ergebnisse in das Kulturfest und in die Kongressaktivitäten einfließen konnten. |
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Europa
in Gaggenau – Zeichen, Spuren, Fährten, Indizien ein historischer Workshop mit der Historikerin Katja Virkus In diesem Workshop wird Gaggenau zum Zentrum Europas. Schüler der 6. Klasse Realschule Gaggenau erforschen ihre Herkunftsgeschichte und die Geschichte des Gemeinwesens mit dem Ziel, europäische Spuren aufzudecken. Mit einem gemeinsam erarbeiteten Leitfaden werden Interviews im familiären Umfeld geführt, wird Material zusammengetragen und Kontakt zu Behörden und zum Stadtarchiv Gaggenau aufgenommen. Die Schüler/innen erforschen auf diese Weise Zeitgeschichte über Zeitzeugen aus ihrem unmittelbaren Umfeld mit dem Zweck, Fremdseins- und Fremdheitserfahrungen zu thematisieren. Warum und wie kamen Menschen nach Gaggenau? Wie findet sich das badische Gemeinwesen Gaggenau im Haus Europa und im Weltgefüge wieder? Sind Eltern, Großeltern und Bekannte interessiert, ihre Geschichten weiterzugeben? Wie werden die Arbeitsergebnisse von den Schüler/innen bewertet? Ziel der Arbeit mit den Schüler/innen ist nicht, eine Erfolgsgeschichte des Projekts Europa zu schreiben, sondern für Entwicklungslinien und für ein kulturelles Konzept „Europa" zu sensibilisieren. Eine auf Gaggenau ausgerichtete Europakarte wird um Spuren und Indizien zur europäischen Geschichte ergänzt und auf dem Kulturfest in der Akademie Schloss Rotenfels am 16. Oktober 2005 von Schüler/innen präsentiert. |
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Differenz-Maschine ein Maschinenbau-Workshop mit den Künstler/innen Monika Glahn und Stefan Doepner In diesem Workshop wird sich dem Thema Europa aus der Perspektive der - wahrgenommenen, interpretierten, projizierten, gewünschten, gefürchteten ... - kulturellen Differenzen genähert. Ausgehend von einer Sammlung von „Vorurteilen" und „Klischees" (Spuren sozialer Prägung) werden wir diese mit Hilfe der verschiedenen Medien inszenieren (Schlagworte, Zeichnungen, Interviews, Erzählungen, Kurzvideos, inszenierte Fotos, Symbole ...). Dies erfordert ein ganz genaues Hinschauen, das auch ein Dahinterschauen ermöglicht: eine Voraussetzung, um aus dem Dahinter hervorzukommen, die Schubladen zu öffnen und die darin verborgenen Inhalte zu betrachten. Die verborgenen Inhalte auch anderen zugänglich zu machen, ist Ziel dieses Workshops: Mit diesen Inhalten, sowie den sie überlagernden Zuschreibungen, werden wir gemeinsam eine „Differenz-Maschine" bauen. In ihr werden die Elemente dynamisch kombiniert, hinterfragt und in den verschiedenen Kombinationen kommentiert, interpretiert, in Frage gestellt, transformiert. Das allgemeine Bild „Maschine" verweist auf Automatismen, die klischeehaften Zuschreibungen zugrunde liegen. Die konkrete Form hängt von den Impulsen aller Mitwirkenden ab, es werden reale Maschinenelemente sowie Übersetzungen auf verschiedenen medialen Ebenen zu einem dynamischen Gesamtbild zusammengefügt. |
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Sampling Europe ein Weltmusik-Workshop mit dem Musiker Johannes Alfred Mehnert Hat eine Stadt ihren ganz eigenen Klang? Wie hören sich Schiffe an, die über die Seine in Paris oder den Karlsruher Rhein gleiten? Kann man die Sommerhitze in Casablanca hörbar machen? Und wie klingt es, wenn im Park die Leute grillen und buntes Stimmengewirr den Park belebt? Sampling Europe lädt Jugendliche ein, die Sounds ihrer Städte in die Akademie Schloss Rotenfels zu tragen. Klänge aus Karlsruhe und anderen europäischen Städten werden zu einer Soundcollage zusammengefügt. Die hier gesammelten Töne und die mitgebrachten Sounds bilden das Rohmaterial für Klanginstallationen, Performances und Musikstücke. |
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Schneckenperspektive
auf eine unüberschaubare Weite ein Forschungs-Workshop mit der Künstlerin Birgit Kammerlohr Mit einer Gruppe von 10 Schüler/innen wird im Umkreis der Akademie Schloss Rotenfels in Hängen, Gärten und Wäldern nach Kriechtieren und Schnecken gesucht und deren Fortbewegung und Laute aufgezeichnet. Die mitunter verzweifelt „klingende" Anmut von Schnecken, Kriechtieren oder Insekten, die sich durch das Dickicht eines Rasens schlagen finde ich wertvoll um im europäischen Kontext untersucht zu werden. Mich reizt der lange, kurze Blick, die Kurzsichtigkeit, die aus Schneckenperspektive unüberschaubare Weite und das Verhältnis unseres Überblicks zur Perspektive des Wesens da unten, das einfach Nichts zu verstehen scheint. Es ist eine Untersuchung und Erzählung, Spurenverfolgung in Europa in gemeinschaftlicher Aktion. Das Staunen, das Ermessen der Entfernungen, Tageswerke von Schnecken, Begegnungen. Es entstehen Fotoserien und Tonaufnahmen, Zeichnungen und Notizen. Jeden Tag werden wir maximal drei Minuten Videoaufzeichnungen machen. Ein Ziel ist, die Wahrnehmung auf Mikrostrukturen in der Art zu schärfen, dass die eigenen Abläufe, Beziehungen, Blicke als Makrostruktur erscheinen. Was die einen interessiert ist für die andern belanglos, in dieser Belanglosigkeit liegt manchmal große Schönheit. Innerhalb der Forscher/innengruppe werden zu Beginn und Ende der täglichen Sessions Ergebnisse verglichen und „Spitzen" (Geräuschpegel, Farbigkeiten, Bewegungsformen) festgehalten und nach Bedarf gesteigert. Klar ist, dass die Geräusche hochgezogen werden müssen, die Bilder auch. Also kann es zu dramatischen Schilderungen kommen. |
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Dreidimensionale
Spurensicherung im sanften Erinnern ein plastischer Workshop mit der Künstlerin Dorothee Aschoff Die Spurensuche am Ort der Akademie Schloss Rotenfels steht im Mittelpunkt der plastischen Auseinandersetzung dieses Workshops. Mit Hilfe von verschiedenen Abformtechniken (Papier - Wachs - Gips) werden wir die Spuren vergangenen menschlichen Handelns rekonstruieren. Das Formenrepertoire der Abformungen/Abdrücke dient uns sowohl zur Vorlage für plastische Neuschöpfungen, als auch zur Auseinandersetzung mit der eigenen kulturelle Identität und Formensprache. Skulpturale Grundbegriffe begleiten die Entstehung ganz eigener raumgreifenden oder körperbezogenen Papierobjekte. Vergangenes Kulturgut wird in der Gegenwart wieder lebendig. |
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Spuren
in Gesichtern – meine Ahnen und ich Zwei ganz unterschiedliche Medien sollen in diesem Workshop zu einer symbiotischen Einheit gefügt werden: am Computer bearbeitete Fotos und aus Ton modellierte Portraits. Für die Teilnehmer/innen beginnt die Spurensuche bereits zuhause: Im Familienalbum unternehmen sie eine Zeitreise zu den eigene Wurzeln. Denn jeder sollte ein Bild eines Vorfahren mitbringen, aus dem sich in der ersten Phase des Kurses am Computer ein charakteristisches Portrait „destillieren" lässt. Das Bild wird zunächst eingescannt. Dann wird es von „Ballast" befreit und grafisch soweit reduziert, dass ethnische und persönliche Merkmale möglichst deutlich hervortreten. Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Ahn und Nachfahr zu erfassen, schärft nicht nur die Wahrnehmung, sondern fördert auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft und Biografie. Alle Bilder werden schließlich auf transparente Folienstreifen gedruckt und friesartig aufgereiht. So entsteht der eine Teil einer gemeinsamen Installation. Den anderen formen Portraits aus Ton. Die Teilnehmer/innen modellieren sich paarweise gegenseitig. Dazu müssen sie sich zunächst genau betrachten und beobachten, um die anatomischen und physiognomischen Charakteristika zu erfassen. Die sollen dann möglichst spontan und intuitiv in eine Büste oder Kopfskulptur umgesetzt werden. Am Ende werden alle Objekte zu einem Ensemble vereint, das getragen vom Respekt vor der Vergangenheit die Gegenwart reflektiert und die persönliche Verantwortung für die Zukunft bewusst macht. Deshalb ist dieser Workshop als „Multi-Kulti"-Projekt geplant: Ideal wären 10 Teilnehmer aus 10 verschiedenen Ländern und unterschiedlichen Kontinenten sowie mit Erfahrung in der Digitalbildbearbeitung und Tonarbeit. |
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Wahrnehmungsspuren
- Europäische Lyrik ein Lyrik- & Performance-Workshop mit den Musikern Dietrich Danksin und Stefan Merkl Mit Schüler/innen werden zu ausgewählter Lyrik Performances entwickelt, die aus Sprechvortrag, musikalischer Gestaltung und Filmsequenzen bestehen. Die Arbeiten dokumentieren wir mit Video. Ihren besonderen Reiz werden sie jedoch in der Live-Situation entfalten: eine Präsentation der Ergebnisse in einer Performance. Für die beteiligten Jugendlichen wird der Workshop vielfältige und interessante Prozesse ermöglichen. Dennoch ist der Weg nicht das einzige Ziel. Am Ende steht das Produkt. Der künstlerische Kommunikationsprozess erfährt seine Vollendung in der Präsentation für den Adressaten. |